Wenn im Advent der Winter früh dunkel wird, der Atem vor dem Haus gefriert und irgendwo eine Glocke klingt, beginnt für viele Kinder eine ganz besondere Zeit. Nicht nur Weihnachtsmann und Christkindli, sondern auch der Samichlaus ist unterwegs.

Der Chlaus, wie wir ihn heute kennen, ist das Ergebnis eines Zusammenspiels aus Brauchtum, Religion und Volksfantasie. Seine Wurzeln reichen tief ins europäische Mittelalter, doch die Schweizer Ausprägung hat im Laufe der Jahrhunderte einen eigenen Charakter entwickelt.

Das Bild des gutmütigen Mannes im roten Mantel, der Anfang Dezember durch verschneite Gassen zieht, ist aus einer langen kulturellen Überlagerung entstanden, von der Klosterzelle bis zur Alpstube. Wenn du also heute am 6. Dezember brav auf deine Schokolade wartest, feierst du einen Brauch, der viele hundert Jahre zurück reicht.

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Und los geht's

Der Samichlaus heute

Rund um den 6. Dezember besucht der Samichlaus heute Familien, Kindergärten oder Schulen. Der Besuch ist oft mit Spannung verbunden: Schuhe werden ordentlich hingestellt, Sprüche geübt, und es liegt eine Mischung aus Vorfreude, Nervosität und der Hoffnung auf eine kleine Überraschung und feine Leckereien wie Schokolade oder Mandarinen in der Luft.

Meist erscheint der Chlaus nicht allein "draust vom Walde" aus seinem Waldhusli, sondern mit seiner Begleitfigur, dem Schmutzli.

Die Kinder werden begrüsst, sagen einen vorbereiteten Spruch auf und hören dem Samichlaus zu, während er aus seinem Buch vorliest. Äusserlich ist er klar erkennbar: langer Bart, dunkler Mantel, Stab und ein schwerer Sack. (Der Samichlaus unterscheidet sich dabei aber vom Weihnachtsmann: Der kommt erst an Weihnachten und ist eigentlich auch gar nicht traditionell schweizerisch. Aber dazu später mehr.)

Nach dem Gespräch mit dem Chlaus erhalten die Kindern kleine Geschenke und Gaben: Normalerweise keine Spielsachen, sondern einfache Leckereien. Typisch sind Mandarinen, Nüsse, Schokolade oder Schoggi in verschiedenen Formen – eine feine Überraschung, die gut in den Advent passt. Der Besuch hat mit dem eigentlichen Weihnachtsfest nichts zu tun und findet in der Adventszeit vor Weihnachten statt. Der Samichlaus bringt deshalb auch keine grossen Geschenke.

👀 Manchmal trifft's beim Lesen aus dem Buch nicht nur die Kinder... der Samichlaus sieht schließlich alles:

Ursprünge in der Figur des heiligen Nikolaus

Nikolaus von Myra

Die historischen Wurzeln des Samichlaus führen nach Myra im heutigen Südwesten der Türkei, wo Nikolaus im 4. Jahrhundert als Bischof wirkte. Über sein Leben ist nur wenig gesichert; der Legende nach erbte er nach dem frühen Tod seiner Eltern ein Vermögen, das er später Bedürftigen schenkte. Viele dieser Schilderungen stammen jedoch aus wesentlich späteren Quellen und lassen sich kaum verifizieren.

Vermutlich wurde Nikolaus im Alter von etwa 19 Jahren von seinem Onkel – ebenfalls Bischof von Myra – zum Priester geweiht und später selbst Bischof. Sein Todestag, der 6. Dezember zwischen etwa 343 und 351 n. Chr., wurde später zum Datum des Nikolaustages.

Eine Münze die Nokolaus von Myra zeigt
Eine frühe Abbildung von Nikolaus von Myra. Bild: Horvathr, Gemeinfrei.

Eine frühe Abbildung von Nikolaus von Myra. Bild: Horvathr, Gemeinfrei.

Heiligenverehrung und erste Geschenke

Trotz der legendarischen Überlieferungen lässt sich nachweisen, dass Nikolaus schon bald nach seinem Tod als Heiliger verehrt wurde. Sein Grab in Myra entwickelte sich früh zu einem Pilgerort. 1087 brachten italienische Seeleute seine Reliquien nach Bari, wo sie bis heute in der Basilica di San Nicola aufbewahrt werden.

Im Hochmittelalter verbreitete sich der Nikolauskult in Europa rasch, nachdem sein Gedenktag fest in kirchliche Kalender aufgenommen worden war. Ab dem 12. und 13. Jahrhundert bildeten sich im deutschsprachigen Raum und in den Niederlanden Bräuche, bei denen Kinder und Arme beschenkt wurden. Der Tag wurde damit Teil des kirchlichen und später volkstümlichen Jahreslaufs.

Vom Nikolaus zum Samichlaus

Im Alpenraum trafen dann christliche Vorstellungen auf ältere, vorchristliche Legende von Winterdämonen und den Rauhnächten. Statt diese Erzählungen zu verdrängen, integrierte die Kirche sie und setzte den Nikolaus als moralisch überlegene Lichtgestalt dagegen. So wurde er vielerorts zum Gegenpol zu nächtlichen Gestalten wie Perchten oder dem „Wilden Heer“.

Und wie wurde aus dem Nikolaus dann der Samichlaus? In den alemannischen Dialekten der Deutschschweiz verkürzte und veränderte sich der Name bereits im Spätmittelalter. Varianten wie SamichlausSantiglausoder Samiklaus sind aus regionalen Quellen belegt. Die Bezeichnung «Samichlaus» lässt sich also klar auf «Sankt Nikolaus» zurückführen.

👉 Daher kommt auch das sogennante "Klausjagen". Was genau es mit dem Klausjagen in der Schweiz auf sich hat liest du hier.

Der Geschenkebringer

Bis ins Hochmittelalter war der Nikolaustag ein vorwiegend kirchlicher Gedenktag. Klöster, Domschulen und Pfarreien feierten am 6. Dezember liturgische Gottesdienste, teils ergänzt durch sogenannte Nikolausspiele: Die stellten Episoden aus dem Leben des Heiligen dar und wurden im kirchlichen Umfeld aufgeführt.

Ab dem Spätmittelalter verlagerte sich das Geschehen zunehmend aus den Kirchen in das private Haus. Parallel dazu wandelte sich die Darstellung des Nikolaus. Zwar behielt er bischöfliche Attribute wie Mitra und Stab, wurde jedoch zunehmend zum Überbringer von einem kleinen Geschenk, der Familien zuhause besucht.

Samichlaus vs. Santa Claus

An der Stelle macht auch der Vergleich mit dem amerikanischen Santa Claus Sinn, da beide Figuren auf denselben Ursprung zurückgehen. In Nordamerika erhielt Nikolaus von Myra durch Geschichten und Illustrationen sowie spätere Werbung ein einheitliches Erscheinungsbild und wurde zum Santa Claus im roten Gewand. Die Darstellungen machten Santa Claus als Weihnachtsmann dann auch in Europa wieder bekannt.

Eine Darstellung von Santa Claus. Ein Mann mit weißem Bart und roter Mütze
Eine typische Darstellung von Santa Claus. Bild: Unbekannt, Wikipedia, Gemeinfrei.

Eine typische Darstellung von Santa Claus. Bild: Unbekannt, Wikipedia, Gemeinfrei.

Der Samichlaus geht auf den historischen Nikolaus von Myra zurück, traditionell tritt er als Bischof mit Mitra und Stab auf und wird oft von einer mahnenden Begleitfigur unterstützt.

Der Weihnachtsmann hingegen ist eine weltliche Symbolfigur, die Geschenke an Heiligabend bringt. Sein heutiges Aussehen – roter Mantel, weißer Bart, Geschenkesack – wurde im 20. Jahrhundert stark durch nordamerikanische Kultur, Medien und Kunst geprägt. Er vereint Elemente des Nikolaus, aber auch von mythologischen Figuren und Volksbräuchen. Der religiöse Hintergrund spielt bei ihm kaum noch eine Rolle; im Mittelpunkt steht der freundliche, großzügige Geschenkebringer.

Ein wichtiger Wendepunkt war die Reformation: Um die Heiligenverehrung zurückzudrängen, wurde die Bescherung vom Nikolaustag auf Weihnachten verlegt, unter anderem durch Martin Luther. In protestantischen Regionen setzte sich dadurch der Weihnachtsmann (oder der „Heilige Christ“) durch, während der Nikolaus in katholisch geprägten Gegenden weiterhin eine wichtige Rolle spielte.

Kurz gesagt:
👉 Samichlaus = historische, religiöse Figur, Bescherung am 6. Dezember
👉 Weihnachtsmann = moderne, weltliche Kunstfigur, Bescherung an Heiligabend

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Die Figur des Schmutzli

Der Begleiter des Samichlaus, in der Deutschschweiz als Schmutzli bekannt, geht mit der Darstellung des Samicchlaus Hand in Hand und ist ein fest verankerter Bestandteil des Nikolausbrauchtums. Er tritt meist in dunkler, schwerer Kleidung auf, oft mit russschwarzem Gesicht, einem Sack und einem Reisigbesen.

Zur Entstehung des Schmutzli gibt es kaum Quellen. Volkskundlich wird er jedoch zu den weit verbreiteten europäischen Begleitfiguren des Nikolaus gezählt. Ähnliche Gestalten – etwa Knecht Ruprecht in Deutschland oder Père Fouettard in Frankreich – erfüllen vergleichbare Aufgaben.

Traditionell bildete der Schmutzli den markanten Gegenpol zum wohltätigen Samichlaus: Während dieser ermahnt und belohnt, verkörperte sein Weggefährte die strengere Seite des Brauchs. Er droht ungezogenen Kindern schonmal mit dem Reisigbesen.

Im 20. Jahrhundert verändert sich aber auch das Bild des Schmutzli. In den meisten Chlausfeiern erscheint er heute weniger als strenger Erzieher, sondern als stiller Helfer des Samichlaus, der Familien begleitet und bei Besuchen oder Umzügen unterstützt.

👉 Noch näher auf die Figur gehen wir in unserem Artikel zur Entwicklung des Schmutzli ein.

Regionale Varianten und lebendige Traditionen

Regionale Unterschiede im Nikolausbrauchtum ergeben sich in der Schweiz aus lokalen Frömmigkeitsformen, kantonalen Strukturen und sprachlichen Traditionen.

Ein besonders markantes Beispiel ist das Klausjagen in Küssnacht am Rigi. Das Klausjagen in Küssnacht am Rigi ist ein traditionsreicher Nikolausbrauch, der jedes Jahr am 5. Dezember gefeiert wird. Fällt dieses Datum auf ein Wochenende, wird der Umzug bereits am Freitag durchgeführt. Seine Wurzeln reichen bis in die frühe Neuzeit zurück. Früher zogen junge Männer lärmend durch das Dorf, um Essen und Getränke zu sammeln. Um dem Brauch eine geregelte Form zu geben, wurde 1928 eine Nikolausgesellschaft gegründet.

Der Anlass beginnt am Nachmittag mit einem Umzug für Kinder und Schüler. Am Abend versammeln sich rund 1.500 Klausjäger, alle gekleidet in weisse Hirtenhemden. Nach einem Böllerschuss wird die gesamte Dorfbeleuchtung ausgeschaltet. Den Auftakt machen die Geislechlepfer mit laut knallenden Peitschen, gefolgt von den Iffeleträgern, die kunstvoll gestaltete, von Kerzen beleuchtete Kopfbedeckungen tragen. Diese können über zwei Meter hoch und sehr schwer sein.

Anschliessend erscheint der Samichlaus mit seinen Begleitern, die dem Publikum Süssigkeiten und Nüsse verteilen. Musikalisch begleitet wird der Umzug von Bläsern mit der traditionellen Klausenmelodie, von Trychlern mit Kuhglocken sowie von Hornbläsern, die den eindrucksvollen Abschluss bilden.

👉 Mehr dazu liest du in unserem Artikel zu Trychler Glockenumzügen in der Adventszeit.

Nach dem offiziellen Umzug ziehen die Klausjäger in kleinen Gruppen bis in die frühen Morgenstunden durch das Dorf. Den Abschluss bildet um sechs Uhr morgens das sogenannte Sächsizügli, bei dem sich alle nochmals versammeln.

Im Wallis und in der Romandie wiederum merkt man die französischen Einflüsse: Dort kennt man den Nikolaus unter dem Namen Saint Nicolas. In mehreren Gemeinden existieren Bräuche, die stärker an französische Traditionen erinnern, etwa Prozessionen mit ausgeprägtem kirchlichem Bezug oder schulische Feiern am Nikolaustag.

Der lange Weg des Samichlaus

Der Samichlaus, wie er heute in der Schweiz erscheint, ist also das Ergebnis einer langen historischen Entwicklung. Zwar geht er auf den spätantiken Bischof Nikolaus von Myra zurück, doch seine heutige Gestalt entstand erst durch Jahrhunderte lokaler Anpassung, kirchlicher Praxis und volkstümlicher Bräuche. Quellen, volkskundliche Untersuchungen und regionale Überlieferungen zeigen deutlich: Die Figur war nie einheitlich, sondern stets eng mit Sprache, Region und sozialem Umfeld verwoben.

Ob als stiller Hausbesucher oder Teil einer lärmenden Prozession: Wer dem Samichlaus heute begegnet, trifft auf ein Stück lebendiger Kulturgeschichte, deren Spuren sich von der Spätantike bis in die Gegenwart ziehen.

👉 Welche Figuren und Traditionen es in der Adventszeit noch so gibt? Schau vorbei bei unserem Artikel zu den Winterlichen Gestalten der Schweiz.

Mit KI zusammenfassen:

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Jana Geldner